Gehaltstransparenz: Sollen Sie Ihr Gehalt zum Geheimnis machen?

Von Christina Holl 18. Februar 2019

Aus dem Gehalt wird nur allzu gern ein Geheimnis gemacht. Ein offener Gehaltsvergleich unter den Mitarbeitern ist in den meisten Unternehmen nicht üblich. Vielmehr gilt Gehaltstransparenz als Tabu-Thema. Warum ist das so? Und wie können Sie dennoch in Erfahrung bringen, was Ihre Kollegen verdienen? Die Antworten finden Sie hier.

Finanzielle Sicherheit und das gute Gefühl, für seine Leistung am Arbeitsplatz geschätzt zu werden: Jeder hat ein Gehalt verdient, das den eigenen Qualifikationen und dem marktüblichen Verdienst entspricht.

Doch wie finden Sie heraus, wie viel Sie für Ihre Leistung verlangen dürfen? Ein Gehaltsvergleich kann helfen – und so fragen Sie sich bestimmt: Was verdienen meine Kollegen?

Aber können Sie die anderen Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen einfach so auf deren Gehalt ansprechen? Wie geht man mit dem sensiblen Thema am besten um?

Gehalt als Geheimnis: Warum sprechen wir mit unseren Kollegen nicht über die Bezahlung?

Feierabendbier mit den Kollegen – in gelockerter Atmosphäre fasst sich Maria ein Herz und fragt vorsichtig in die Runde:

Und, wie viel Geld verdient ihr?
Die Antwort: betretenes Schweigen.

Warum fällt es eigentlich vielen Mitarbeitern so schwer, mit ihren Kollegen über das Gehalt zu sprechen?

Dafür gibt es gleich mehrere Gründe:

  1. Vergleichsfalle: Eine Studie der amerikanischen Universitäten Princeton und Berkeley hat ergeben, dass die Jobzufriedenheit von Mitarbeitern deutlich sinkt, wenn sie herausfinden, dass sie weniger als ihre Kollegen verdienen.
    Der Grund: Sie fühlen sich ungerecht behandelt. Denn mit dem Thema Geld geht immer auch eine persönliche Wertung und Hierarchie einher. Verdient ein Kollege mehr als die anderen, könnte schlechte Stimmung im Team entstehen – dieser Gedanke verunsichert viele Mitarbeiter.
     
  2. Firmenpolitische Fettnäpfchen: In vielen Unternehmen gehört es zur Firmenpolitik, nicht über Gehalt zu sprechen – weder in vertrauter noch in großer Runde.
    Kommt es ans Licht, dass Sie sich nicht daran halten, stehen Sie schnell als unprofessionell und nicht vertrauenswürdig da. Und dieses Risiko möchten viele Mitarbeiter einfach nicht eingehen.
     
  3. Rechtliche Fallstricke: Wie ist es eigentlich von Rechts wegen um die Gehaltstransparenz bestellt? Wie sieht es etwa mit einer Schweigepflicht über Gehalt oder einer Geheimhaltungsvereinbarung im Dienstvertrag aus? Diese Fragen stellen sich viele Mitarbeiter.

    In Österreich ist im Kollektivvertrag kein Verbot seitens der Arbeitgeber vorgesehen, das Mitarbeitern verwehren könnte, mit den Kollegen über die Bezüge zu sprechen. Enthält Ihr Arbeitsvertrag derartige Klauseln, können Sie sich gegen deren Durchsetzung wehren: Die Arbeiterkammer würde hier laut eigenen Aussagen Rechtsschutz geben, da für sie ein solches Verbot dem Gleichbehandlungsgrundsatz eindeutig widerspreche. Ihr Chef kann Ihnen also nicht verbieten, sich mit den Kollegen über das Thema Gehalt auszutauschen. 

Mit Kollegen über Gehalt sprechen: Halten Sie sich an die Regeln

Zusammenfassend halten wir fest: Ja, es ist Ihr gutes Recht zu wissen, was andere verdienen. Es ist und bleibt aber ein heikles Thema.

Wie Sie sich verhalten, wenn Sie ein Kollege nach Ihrem Verdienst fragt, ist und bleibt Ihre persönliche Entscheidung. Sprechen Sie darüber nur mit Kollegen, denen Sie absolut vertrauen. 

Zum Glück ist das branchenübliche Gehalt alles andere als ein Geheimnis. Ihr Wissen können Sie aus fundierten Studien über den Arbeitsmarkt ziehen – zum Beispiel aus der Gehaltsübersicht von Robert Half.

Darin finden Sie aktuelle Daten, Fakten und interessante Hintergründe zu üblichen Gehältern im Finanz- und Rechnungswesen.

So erfahren Sie schnell, wie viel Angestellte in einer ähnlichen Position und mit ähnlichen Qualifikationen verdienen – ohne in firmenpolitische Fettnäpfchen zu treten.

Download Gehaltsübersicht

Gehalt der Kollegen: Motivationsschub statt Motivationskiller

Eine gute Recherche macht sich in jedem Fall bezahlt. Zu wissen, was andere in gleicher Position verdienen, macht Ihre Gehaltsforderung realistisch und verschafft Ihnen für zukünftige Gehaltsverhandlungen einen enormen Vorteil.

Dann können Sie pokern, wenn es sich anbietet. Schließlich ist ein besserverdienender Kollege der beste Beweis dafür, dass Ihre Firma durchaus höhere Gehälter bezahlt.

Gegenüber Ihrem Chef sollten Sie dieses Argument – wenn überhaupt – allerdings nur äußerst vorsichtig und taktisch einsetzen. Ansonsten kommen ihm möglicherweise schnell Zweifel an Ihrer Loyalität – was sich früher oder später rächen kann.

Auf keinen Fall sollten Sie das höhere Gehalt eines Kollegen als wichtigste Begründung für eine Gehaltserhöhung heranziehen. Denn Ihre Entlohnung orientiert sich vor allem daran, was Sie Ihrem Arbeitgeber bieten und nicht daran, was Ihre Kollegen verdienen.

Tappen Sie also nicht in die Vergleichsfalle. Wie hoch Ihr Gehalt ausfällt, hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem von:

  • Berufserfahrung,
  • Ausbildung,
  • Weiterbildungen.

Gehaltsexpertin Emine Yilmaz empfiehlt:

Sehen Sie Ihren Kollegen mit dem besseren Verdienst nicht als Konkurrenten, sondern als Vorbild. Fragen Sie sich besser, wie Sie nachziehen können. So wird das finanzielle Ungleichgewicht zwischen Ihnen zum Motivationsschub.

Anstatt dem Kollegen also sein Gehalt zu neiden, setzen Sie sich selbst neue Ziele.

Wenn Sie hören, dass Sie im Gehaltsvergleich mit Ihren Kollegen weniger Geld bekommen, nutzen Sie diese Information. Prüfen Sie kritisch, woran das liegen könnte. Dann lassen Sie Taten folgen.

Zeigen Sie, dass Sie sich voll ins Unternehmen einbringen und fokussieren Sie sich auf Ergebnisse. Somit qualifizieren Sie sich bei der nächsten Gehaltsrunde für eine Lohnerhöhung. 

Über Gehalt sprechen: Andere Länder, andere Denkmuster

Offen mit dem Thema Gehalt umzugehen und über diese Gehaltstransparenz andere anzuspornen – das ist in vielen anderen Ländern ganz normal. Wer zum Beispiel in Amerika hart für seinen Erfolg arbeitet, zeigt das auch.

Ein kulturelles Erklärungsmodell: Wer es durch eigene Anstrengung nach oben schafft, hat das auch verdient. Ganz nach dem Motto: vom Tellerwäscher zum Millionär. 

Die vorgeschriebene Angabe des Mindestgehalts in Österreich sorgt aber schon für ein wenig Transparenz - auch wenn es wohl noch einige Zeit dauern wird, bis das Thema Gehalt auch in Österreich kein absolutes Tabuthema mehr ist.

Sind Sie auf der Suche nach Personal oder nach einem neuen Job? In beiden Fällen sollten Sie über die marktüblichen Gehälter informiert sein. Mit unserer Gehaltsübersicht prüfen Sie, wie attraktiv Ihr Gehaltspaket für Mitarbeiter und Bewerber ist oder vergleichen Ihr eigenes Gehalt mit dem Ihrer Kollegen.

Die Gehaltsübersicht 2019 von Robert Half bietet Ihnen:

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