Gehaltsvorstellung im Bewerbungsgespräch: Fordern Sie nicht zu viel

Von Christina Holl 12. September 2018

„Da wäre dann noch eine Frage: Welche Gehaltsvorstellungen haben Sie?“ Ein Satz, der beim Vorstellungsgespräch so manchen Bewerber ins Schwitzen bringt. Hier erfahren Sie, wie Sie die perfekte Antwort auf die Fragen nach Ihrem Gehalt finden und wie Sie sie geschickt formulieren.

Das lesen Sie in diesem Artikel:

Gehaltsvorstellung beim Vorstellungsgespräch: Brutto oder netto?

Zuerst stellt sich die Frage: Wie wird die Gehaltsvorstellung überhaupt angegeben? Grundsätzlich gilt: Personaler verstehen darunter Ihr erwartetes Bruttojahresgehalt inklusive aller Zusatzleistungen. Basis für Ihr Wunschgehalt ist deshalb das Grundgehalt, zu dem Sie folgende Posten dazu zählen:

  • Weihnachts- und Urlaubsgeld
  • Boni und Prämien
  • Sachbezüge wie freie Verpflegung oder Rabatte
  • Kosten für Fort- und Weiterbildungen
  • Geldwerte Vorteile, z. B. ein Firmenwagen, ein ÖPNV-Ticket

Einen ersten Anhaltspunkt für eine angemessene Gehaltsforderung erhalten Sie aus Gehaltsvergleichen. In der kostenlosen Gehaltsübersicht von Robert Half finden Sie Gehaltsangaben für Fach- und Führungskräfte im Finanz- und Rechnungswesen, aufgeschlüsselt nach Berufserfahrung.

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Gehaltsvergleich: Diese Faktoren beeinflussen Ihre Gehaltsforderungen

Folgende Punkte sollten Sie unbedingt beachten, bevor Sie sich an die Formulierung Ihrer Gehaltsvorstellung in der Bewerbung machen, oder im Vorstellungsgespräch die Frage nach dem Gehalt gestellt wird.

  • Potenzial und Erfahrungen: Die eigenen Qualifikationen sowie persönliche Skills spielen eine entscheidende Rolle bei der Höhe des Gehalts. Je mehr Erfahrung Sie als Bewerber mitbringen, desto mehr Gehalt ist für Sie drin.
  • Position und Branche der ausgeschriebenen Stelle: Je mehr Verantwortung oder Spezialisierung Ihnen der Job abverlangt, desto höher fällt auch das Gehalt aus. In Branchen, in denen Fachkräfte händeringend gesucht werden, steigen die Löhne am schnellsten. Wo der Bedarf gerade sehr hoch ist, finden Sie über Ihr Netzwerk, Medienberichte, gute Personalberater oder Fachverbände heraus.
  • Standort und Größe des Unternehmens: Internationale Konzerne zahlen oft besser als kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Und: In Großstädten fallen die Gehälter höher aus als in strukturschwachen Regionen. 
  • Finanzielle Lage Ihres potenziellen Arbeitgebers: Recherchieren Sie zum Beispiel in aktuellen Medienberichten, ob es kürzlich eine Finanzspritze oder eventuell eine Übernahme gab. Anhand des Umsatzes und des Gewinns ziehen Sie realistische Rückschlüsse auf die Finanzstärke des Unternehmens.

Gehaltsfrage im Bewerbungsgespräch: Legen Sie einen angemessenen Betrag fest 

Nach einem Gehaltsvergleich wissen Sie ungefähr, wie gut das Unternehmen aufgestellt ist, und was andere in Ihrem Beruf mit ähnlicher Erfahrung verdienen können. Die gute Nachricht ist: Bei einem Jobwechsel sind Gehaltssteigerungen von bis zu 10 % möglich, in Einzelfällen auch mehr.

Wie hoch Ihr Aufschlag ausfällt, legen Sie selbst anhand der vorher gesammelten Informationen fest. Pokern Sie jedoch nicht zu hoch, sonst riskieren Sie ein schnelles Aus im Bewerbungsprozess.

Verkaufen Sie sich aber auch nicht unter Wert, auch wenn Sie unbedingt aus dem jetzigen Job raus wollen. Langfristig werden Sie sonst länger benötigen, um auf Ihr Wunschgehalt zu kommen. Außerdem kann eine zu niedrige Gehaltsforderung mangelnde Erfahrung und wenig Selbstbewusstsein beim Personaler signalisieren.

Verzichten Sie auf komplizierte Angebote. Geben Sie Ihr Wunschgehalt brutto an – alle zusätzlichen Leistungen bereits einkalkuliert.

Krumme Beträge verdeutlichen, dass Sie eine klare Vorstellung davon haben, wie viel Sie wert sind. Experimente bestätigen, dass man auf diese Weise weniger heruntergehandelt wird. Runden Sie Ihre Gehaltsvorstellung in der Bewerbung auf Hunderter- oder Tausenderstellen, das reicht vollkommen.

Erfolgreich bewerben: So formulieren Sie Ihre Gehaltsvorstellung

Gelegentlich fordert der Arbeitgeber bereits in der Stellenanzeige eine Angabe der Gehaltsvorstellung. Dann sollten Sie diese unbedingt in Ihre Bewerbung schreiben – andernfalls sind Ihre Unterlagen nicht vollständig. Ihre Gehaltsforderung steht am Schluss des Anschreibens, direkt vor der Grußformel.

Im Vorstellungsgespräch dürfen Sie jedoch auf keinen Fall mit der Tür ins Haus fallen! Normalerweise wird der Personaler Sie erst am Ende des ersten oder sogar erst im zweiten Bewerbungsgespräch nach dem Gehalt fragen. Je nachdem, wie Ihr aktueller Lohn im Vergleich zum Markt ist, stehen Ihnen mehrere Möglichkeiten offen:

  • Ihr Gehaltsvergleich zeigt, Sie verdienen eher unterdurchschnittlich: Geben Sie Ihren bisherigen Lohn im Vorstellungsgespräch lieber nicht an, sondern nennen Sie einfach Ihre Gehaltsvorstellung für den neuen Job: „Meine Gehaltsvorstellung liegt bei einem jährlichen Bruttogehalt von 49.000 Euro.“
  • Ihr Gehaltsvergleich zeigt, Sie verdienen eher überdurchschnittlich: Wollen Sie Einbußen vermeiden, dann nennen Sie Ihr bisheriges Jahresgehalt. So schaffen Sie klare Voraussetzungen: „Mein derzeitiges Bruttogehalt liegt bei 60.000 Euro im Jahr. Bei einem Wechsel stelle ich mir eine Steigerung um 10 % vor.“
  • Sie sind verhandlungsbereit: Formulieren Sie eine Gehaltsspanne oder ein „Zielgehalt“. Formulieren Sie Ihr Wunschgehalt dann so: „Meine Gehaltsvorstellung liegt zwischen 55.000 und 62.000 Euro brutto pro Jahr.“ Oder: „Mein Zielgehalt liegt bei 62.000 Euro brutto pro Jahr.“
  • Sie möchten eine deutliche Gehaltssteigerung erreichen: Betonen Sie Ihre individuellen Fähigkeiten, um eine vergleichsweise hohe Gehaltsvorstellung in der Bewerbung zu rechtfertigen: „Aufgrund meiner Spezialisierung und meiner Fachkenntnisse liegt meine Gehaltsvorstellung bei 70.000 Euro brutto pro Jahr.“

Mit diesen Tipps sollten Sie bestens für Ihre Gehaltsverhandlung gewappnet sein. Sie glauben, Sie könnten in einem anderen Job mehr erreichen und verdienen als in Ihrem aktuellen? Bei Robert Half können Sie direkt Ihren Lebenslauf hochladen und sich initiativ bewerben.

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