Gründe für Jobwechsel: Woran Sie erkennen, dass die Zeit reif ist

Von Christina Holl 10. Oktober 2018

Sie sind komplett unzufrieden im Job und würden am liebsten schon morgen eine neue Stelle antreten? Atmen Sie tief durch und wägen Sie ab. Vielleicht lassen sich Dinge, die Sie stören, ändern. Vielleicht aber auch nicht. Hier unsere Entscheidungshilfe, wann ein Jobwechsel sinnvoll ist:

Unzufrieden im Job? Handeln Sie nicht voreilig! 

Das Leben ist kein Ponyhof – das schließt auch das Arbeitsleben mit ein. Doch was, wenn Sie schon länger unzufrieden im Job sind? Der Chef nervt, ständig stürzt der Computer ab und Sie fadisieren sich nur noch am Arbeitsplatz.

Ist dann ein neuer Arbeitgeber die Lösung? Die Antwort ist ein ganz klares Vielleicht. Der größte Fehler wäre jetzt, voreilig zu handeln.

Falls Sie zweifeln, ob Ihr aktueller Job noch passt, haben wir hier einige Anzeichen gesammelt, anhand derer Sie herausfinden, ob die Zeit für einen neuen Job reif ist.

Was stört mich an meinem Job? 

Bevor Sie sich dafür entscheiden, den Job zu wechseln, sollten Sie in sich gehen. Es ist wichtig, herauszufinden, warum Sie einen Jobwechsel erwägen. 

Überlegen Sie genau, was Sie an Ihrem aktuellen Job frustriert. Denn falls Sie sich für den Jobwechsel entscheiden, können Sie bei der Jobsuche gezielt auf Ihre Frustfaktoren achten und diese idealerweise vermeiden.

Gründe für Unzufriedenheit am Arbeitsplatz kann es viele geben, etwa:

  • das Gefühl von Unter- oder Überforderung,
  • anstrengende Kollegen,
  • ein schwieriger Chef,
  • schlechte Bezahlung,
  • mangelnde Anerkennung,
  • fehlende Karriereperspektiven oder
  • Vetternwirtschaft.

Wenn Sie derartige Dinge nicht nur ab und an stören, sondern diese Ihnen Tag für Tag die Arbeit vermiesen, haben Sie den Keim für Ihre Unzufriedenheit im Job ziemlich sicher gefunden.

Können Sie etwas ändern? 

Die nächste Überlegung ist: Was tun, wenn Sie im Job unzufrieden sind? Können Sie aktiv etwas ändern, indem Sie an einzelnen Stellschrauben drehen? Sehen Sie beispielsweise eine Möglichkeit, Ihren Chef dazu zu bringen, Ihre Arbeit wertzuschätzen? Hatten Sie vielleicht bisher nicht die richtigen Argumente für eine Gehaltsforderung?

Suchen Sie das Gespräch. Einen Versuch ist es wert, bevor Sie sich nach Alternativen umsehen. Schließlich erwartet Sie bei einem Jobwechsel unbekanntes Terrain und möglicherweise stolpern Sie sprichwörtlich vom Regen in die Traufe.

Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit einer internen Versetzung, wenn Sie sich auf Ihrem aktuellen Posten nicht wohlfühlen. Gerade im Zuge der Digitalisierung entstehen viele neue Jobs und Sie können sich mit einer Weiterbildung für eine dieser spannenden Stellen qualifizieren.

Ein neuer Job löst keine privaten Probleme 

Hand aufs Herz: Ist wirklich die tägliche Arbeit die Ursache dafür, dass Sie unzufrieden im Job sind? Oder schreien Sie generell nach Veränderung?

Denken Sie daran: Eine neue Stelle kann nicht all Ihre Probleme lösen. Gegen Unzufriedenheit im Job sollten Sie dringend etwas tun – aber packen Sie das Problem bei der Wurzel und seien Sie absolut ehrlich zu sich selbst. Für private Probleme ist ein Jobwechsel nur dann eine Lösung, wenn die bisherige Stelle die Schwierigkeiten verursacht: Zum Beispiel, wenn Sie durch lange Arbeitszeiten zu wenig Zeit für Ihre Beziehung oder Ihre Familie haben. 

Falls Sie immer noch fest entschlossen sind, den Arbeitgeber zu wechseln, stellt sich die Frage: Wartet da draußen überhaupt ein interessanter neuer Job auf Sie? Halten Sie Augen und Ohren offen. Seien Sie in Netzwerken aktiv und tauschen Sie sich mit Kollegen aus der Branche aus.

Auch die Personalberater bei Robert Half helfen Ihnen gerne weiter. So wissen Sie immer, wie Ihre Chancen auf einen guten neuen Job stehen und wann das Timing für einen Jobwechsel optimal ist.

Jobsuche

Darf der Jobwechsel Einschränkungen mit sich bringen? 

Ein Jobwechsel muss nicht immer zwingend ein Karrieresprung sein. Vielleicht machen Sie neue Aufgaben und ein anderes Umfeld zufriedener, auch wenn Sie sich dafür finanziell etwas einschränken müssen. Wichtig bei dieser Entscheidung ist, dass Sie sich vorab fragen, zu wie viel Veränderung Sie bereit sind. Wenn Sie beispielsweise gerade eine Wohnung gekauft haben, sind Abstriche beim Gehalt vielleicht erst einmal nicht drin.

Käme ein Umzug für einen neuen Job infrage oder sind Sie durch Ihre Familie an den derzeitigen Standort gebunden?

Die neue Stelle sollte nicht dieselben Schwachpunkte aufweisen wie die alte. Sonst sind Sie nach kurzer Zeit erneut auf der Suche. Wenn es Sie besonders stört, dass Sie nicht selbständig arbeiten können, dann sollten Sie bei der neuen Stelle unbedingt mehr Freiheiten haben – um nicht schon bald wieder unzufrieden im Job zu sein.

Bin ich für die neue Karriere überhaupt geeignet? 

Sie wissen genau, was die Gründe für Ihren Jobwechsel sind und haben ein passendes Stellenangebot gefunden? Die dort beschriebenen Aufgaben bieten exakt das, was Ihnen bisher gefehlt hat? Perfekt!

Bei aller Begeisterung sollten Sie noch einmal in sich gehen. Und beantworten Sie folgende Frage ganz ehrlich: Habe ich tatsächlich die Interessen und Talente, um dort erfolgreich zu sein? Erfolg ist schließlich etwas, das Ihre Zufriedenheit dauerhaft und maßgeblich beeinflusst. Denn vermutlich haben Sie keine Lust, Ihren Job nach kurzer Zeit erneut zu wechseln.

Ein Neuanfang kann wichtig und richtig sein, aber er sollte nicht zum eigentlichen Karriereprinzip werden. Zu häufige Jobwechsel machen es oft deutlich schwerer, beruflich aufzusteigen. Auch überzeugen Sie die Personalverantwortlichen im Vorstellungsgespräch nicht, indem Sie auf die Frage nach Ihrer Wechselmotivation antworten: „Ich wollte einfach etwas Neues ausprobieren.“

Sie sollten sich im Klaren sein, was Sie beruflich erreichen wollen und wo Ihre Talente liegen. Einen Einblick in die Anforderungen verschiedener Positionen – und dadurch Hilfe bei der Entscheidung – bieten Job- und Aufgabenbeschreibungen. Diese finden Sie kostenlos im Internet, wie die Jobbeschreibung eines Bilanzbuchhalters oder Controllers

Hat der neue Job eine Zukunft? 

Nicht jeder Beruf und jede Branche haben eine strahlende Zukunft vor sich. Das sollten Sie im Hinterkopf haben – vor allem, wenn Sie nicht einfach nur einen Jobwechsel zu einem anderen Arbeitgeber anstreben, sondern sich komplett neu orientieren wollen.

Jetzt viel Energie in einen Neustart zu investieren, um in wenigen Jahren ohne Job dazustehen, wäre eine sehr ärgerliche Entscheidung. Deshalb lohnt es sich, sich ausführlich mit der zukünftigen Branche auseinanderzusetzen

Dabei helfen nicht nur verschiedene Fachpublikationen, die es auch im Internet zu finden gibt, sondern auch Gespräche mit Brancheninsidern. Manchmal findet man auch im eigenen Bekanntenkreis Menschen, die einem nützliche Auskünfte zur Branche oder sogar zum Unternehmen geben können.

Die Verdienstmöglichkeiten sollten nicht die ausschlaggebende Begründung für einen Jobwechsel sein. Zweifelsohne spielen sie aber bei Ihrer Entscheidung für oder gegen einen Job eine große Rolle. Schließlich möchten Sie davon auch leben können. Um dies herauszufinden, können Sie beispielsweise für Berufe im Finanz- und Rechnungswesen den Gehaltsrechner von Robert Half nutzen:

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Welches Entwicklungspotenzial bietet der neue Job?

Manche Berufe sind äußerst verlockend für den Karriere-Neustart: Der Einstieg ist einfach, die Bezahlung stimmt und auch der Verantwortungsbereich klingt spannend. Doch wie sieht es mit den Karriereperspektiven aus? In einigen Jobs ist schon nach wenigen Jahren das Ende der Fahnenstange erreicht. Dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: sich damit abfinden oder erneut die Stelle wechseln. Deshalb sollten Sie sich fragen, ob die angestrebte Karriere auch langfristig Ihre Anforderungen erfüllt.

Schwierige Entscheidungen sollte man nicht unbedingt allein treffen. Ein Blick von außen hilft, Dinge zu bedenken, die Sie bisher vielleicht übersehen haben. Oft können Ihnen nahestehende Menschen Ihre Fähigkeiten und Talente objektiver einschätzen, als es Ihnen selbst möglich ist.

In der Ruhe liegt die Kraft 

Wann ist es also Zeit, den Job zu wechseln? Überstürzen Sie Ihre Entscheidung nicht. Sie haben momentan eine Stelle und sind für das Projekt Jobwechsel in einer sehr komfortablen Ausgangsposition.
Die genannten Überlegungen können Ihnen bei der Entscheidung helfen. Sagen Sie einem neuen Arbeitgeber erst zu, wenn Sie alle Details geklärt haben.

Denn nur wenn Sie sich Ihrer Sache hundertprozentig sicher sind, wird der neue Job auch die gewünschte positive Veränderung bringen – und Sie werden endlich glücklich arbeiten.

 

Sie halten es im aktuellen Job nicht mehr aus und es führt kein Weg an einem Jobwechsel vorbei? Schauen Sie doch gleich einmal in unserer täglich aktualisierten Jobbörse nach. Vielleicht ist eine passende Stelle für Sie dabei?

 

Bildquelle:  © bowie15 - istockphoto.com

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