Im Lebenslauf lügen: Meistens ein Eigentor

Von Christina Holl 3. September 2018

Die offene Stelle klingt super, nur passt leider die eigene Vita nicht dazu. Aber sollten Sie deshalb im Lebenslauf lügen? Auf keinen Fall! Personaler spüren Widersprüche routiniert auf. Wer nicht bei der Wahrheit bleibt, fliegt schnell auf – oder sogar raus. Lügen im Lebenslauf sind ein Kündigungsgrund.

Das lesen Sie in diesem Artikel:

  • Bei Lügen im Lebenslauf kennen Personaler kein Pardon 
  • Aufbauschen und auffliegen 
  • In welchen Bereichen mogeln Bewerber?
  • Im Lebenslauf lügen? Vier gute Gegenargumente
  • Stehen Sie zu Ihrer Vita – auch bei einem Lebenslauf mit Lücken

Bei Lügen im Lebenslauf kennen Personaler kein Pardon

Der Job ist begehrt, die Konkurrenz groß. Da ist es natürlich verlockend, im Bewerbungsverfahren heller als andere zu strahlen. Warum auch nicht? Niemand braucht mit seinen Qualifikationen hinterm Berg zu halten. 

Doch die Werbung in eigener Sache hat ihre Grenzen – spätestens dann, wenn Menschen für ein vermeintlich besseres Standing im Lebenslauf lügen. Fliegt der Betrug nicht bereits im Vorstellungsgespräch auf, so passiert das sehr wahrscheinlich später im beruflichen Alltag. Und das hat unangenehme Konsequenzen. Personaler reagieren sehr allergisch auf solche Tricks.

Aufbauschen und auffliegen 

Eine längere Arbeitslosigkeit mit einer Weltreise kaschieren, Fachkenntnisse aufbauschen oder beim bisherigen Gehalt übertreiben – das sollten Sie tunlichst vermeiden, auch wenn die Versuchung groß ist. 

Kaschieren Sie Ungereimtheiten und Lücken im Lebenslauf mit Lügen, begeben Sie sich auf dünnes Eis: Knapp zwei Drittel der befragten Führungskräfte in Österreich (63 %) haben schon einmal einen Bewerber aussortiert, nachdem ihnen falsche Angaben aufgefallen sind. Das zeigt eine aktuelle Studie unter 2.400 Personalverantwortlichen im Auftrag des Personaldienstleisters Robert Half.

Selbst wenn Sie mit unlauteren Mitteln eine Stelle bekommen haben, sind Sie nicht auf Dauer sicher. „Theoretisch kann sogar Jahre nach der Bewerbung die Kündigung drohen, wenn die Einstellung auf Lügen basierte“, erklärt Christian Umbs, Managing Director bei Robert Half in Wien.

In welchen Bereichen mogeln Bewerber?

Viele Kandidaten legen sich mächtig ins Zeug für eine getunte Vita. Doch meistens ist es mit ihrer Kreativität nicht weit her. Es sind oft die gleichen Themen, bei denen sie schummeln. Am häufigsten hübschen sie ihre Berufserfahrung auf (52 %). 

Auf Platz 2 folgen Falschangaben über ihre Fachkenntnisse (44 %), auf dem dritten Platz über Ausbildung/Abschlüsse/Qualifikationen (39 %). Auffällig ist außerdem: Mehr als jeder siebte Studienteilnehmer (13 %) gibt an, schon einmal Kandidaten wegen falscher Gehaltsangaben in früheren Jobs abserviert zu haben.

Dazu sagt Umbs: „Es ist durchaus legitim, wenn ein Bewerber ein höheres als sein bisheriges Gehalt fordert. Jedoch muss er seinen Verdienstwunsch gut begründen und sich am marktüblichen Gehaltsniveau orientieren. Dazu gibt es genügend frei verfügbare Quellen im Internet.“

Wer das tun möchte, kann sich zum Beispiel die aktuelle Gehaltsübersicht von Robert Half für Berufe im Finanz- und Rechnungswesen ansehen. 

Gehaltsübersicht herunterladen

Hier die Rangliste der Bereiche, in denen Bewerber besonders häufig ihren Lebenslauf fälschen.

„In welchen Bereichen ihres Lebenslaufs haben Bewerber schon falsche oder übertriebene Informationen angegeben?“

Berufserfahrung 52 %
Fachkenntnisse 44 %
Ausbildung/Abschlüsse/Qualifikationen 39 %
Fremdsprachenkenntnisse 34 %
Aufgabenbereiche früherer Positionen 28 %
Führungskompetenz 25 %
Praktika 16 %
Projektmanagementfähigkeiten 15 %
Früheres Gehalt 13 %
Quelle: Robert Half, Arbeitsmarktstudie 2017, Befragte: 1.514 Personalmanager in Europa

Im Lebenslauf lügen? Vier gute Gegenargumente

Obwohl es schwerfallen mag, sollten Sie Lücken im Lebenslauf nicht kaschieren und möglichst bei der Wahrheit bleiben. Es gibt bessere Wege als zu lügen, um einen perfekten Lebenslauf zu verfassen. 

Mit einer manipulierten Vita tun Sie weder dem personalsuchenden Unternehmen noch sich selbst einen Gefallen. Wahrscheinlich kommen Sie nicht weit damit. Schließlich weiß doch jeder: Lügen haben kurze Beine. Und wenn Sie diese Binsenweisheit nicht überzeugt, dann hoffentlich die folgenden vier Gründe für einen aufrichtig geschriebenen Lebenslauf:

  • Personaler entlarven Lügen schnell. Sie wissen genau, wie sie einen Lebenslauf mit Lücken aufdecken. Bei Zweifeln an Ihren Angaben schlägt quasi ein innerer Sensor an und sie haken nach. Zum Beispiel im Vorstellungsgespräch mit Fragen zu Nebensächlichkeiten, mit denen Sie nicht gerechnet hätten. Denn die Verantwortlichen wissen: Wer lügt, der hat seine Antworten zwar genauestens geplant – kann aber unmöglich alle Details bedacht haben. Verwickeln Sie sich dann in Widersprüche, kommen Sie aus der Nummer nicht mehr raus.
  • Falsche Angaben bei der Bewerbung führen oft zur Kündigung. Häufig sitzt Ihnen beim Vorstellungsgespräch nicht nur der Personaler gegenüber, sondern auch Ihr zukünftiger Vorgesetzter. Stellt sich später in der Praxis heraus, dass Sie ihn mit falsch gefüllten Lücken im Lebenslauf getäuscht haben, riskieren Sie die fristlose Kündigung. Auch lange nach Ende der Probezeit hat Ihr Arbeitgeber das Recht, den Arbeitsvertrag wegen arglistiger Täuschung anzufechten. Schlimmstenfalls verlieren Sie Ihren Arbeitsplatz und müssen Schadensersatz zahlen.
  • Keine Sorge vor Lücken im Lebenslauf! Viele Arbeitnehmer mit häufigen Berufswechseln oder Unterbrechungen im Lebenslauf sorgen sich schon im Vorfeld, aussortiert zu werden, und modifizieren ihren Lebenslauf. Das sollten Sie besser lassen! Gerade in solchen Fällen kann der Weg über eine Personalvermittlung wertvoll sein. Die ist darauf spezialisiert, Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammenzubringen, die ideal zueinander passen.
  • Nicht antworten bei unzulässigen Fragen ist kein Vergehen. Manche Fragen dürfen Arbeitgeber nicht stellen. Generell tabu sind private und intime Fragen, beispielsweise zu Lebenspartner und Heiratsabsichten, Kinderwunsch, Schwangerschaft und Familienplanung, Konfession und Religion, Partei- und Gewerkschaftszugehörigkeit oder zur gesundheitlichen Situation. Dennoch sollten Sie auf unzulässige Fragen, etwa nach der Familienplanung, nicht lügen. Erklären Sie lieber ruhig und sachlich, dass Ihnen diese Frage zu privat ist und sie deshalb nicht darauf antworten möchten. 

Stehen Sie zu Ihrer Vita – auch bei einem Lebenslauf mit Lücken

Lücken im Lebenslauf sind kein Beinbruch. Gehen Sie immer offen und ehrlich in ein Bewerbungsgespräch. Reden Sie nicht um den heißen Brei herum und bleiben Sie bei der Wahrheit. Doch aufgepasst: Langweilig sollte Ihr Lebenslauf und der Rest der Bewerbung deswegen nicht sein. Stellen Sie Ihre Bewerbungsunterlagen deshalb gekonnt zusammen. So hinterlassen Sie auch ohne Lügen einen guten Eindruck beim Personaler.

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Bildquelle: © jackmac34 - pixabay.com

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