Warum der Jobwechsel nie so schwierig war wie heute

Von Christina Holl 22. August 2019

Der österreichischen Wirtschaft geht es gut. Sie wächst und wächst. In vielen Branchen werden Fachkräfte händeringend gesucht. Trotzdem mehren sich die Klagen, dass es immer schwerer wird, einen neuen Job zu finden. Wieso ist das so? Oder bilden wir uns das Problem möglicherweise nur ein? 

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Fachkräftemangel = Schlaraffenland für Arbeitnehmer?

Glaubt man Medienberichten, dann fehlen in Österreich unzählige Fachkräfte – und das längst nicht mehr nur im IT-Bereich und in der Pflege, sondern quer über alle Branchen hinweg. Personaler berichten von ihren Problemen, passende Bewerber für offene Stellen zu finden.

Das klingt so, als wäre für Bewerber gerade der ideale Zeitpunkt, um einfach und schnell einen neuen Job zu finden. Ganz so leicht, wie es sich mancher wechselwillige Arbeitnehmer vorstellt, ist die Stellensuche aber offenbar nicht.

Sechs von zehn Beschäftigten in Österreich sind der Meinung, dass es heute schwieriger als vor fünf Jahren ist, einen passenden Job zu finden. Das ergibt eine aktuelle Umfrage im Auftrag von Robert Half.

Ist das Jammern auf hohem Niveau – oder ist die Stellensuche tatsächlich schwieriger geworden? Die Umfrage zeigt: Ein Selbstläufer ist die Jobsuche auch in Zeiten des Fachkräftemangels nicht.

Bei knapp einem Sechstel (15 %) der Befragten hat der letzte Stellenwechsel mehr als drei Monate gedauert. Gut jeder Vierte (23 %) suchte sogar länger als ein halbes Jahr nach einem neuen Job.

Warum ist es heute so schwer, einen neuen Job zu finden?

Es scheint also etwas dran zu sein, dass es heute schwieriger ist, einen passenden Job zu finden. Doch woran liegt das? Offenbar an einer Vielzahl sehr unterschiedlicher Gründe. 

Die Top-7-Gründe, warum der Jobwechsel nie so schwierig war wie heute:

  1. Schlechtere Rahmenbedingungen als früher, z.B. weniger Urlaubstage, Befristungen, weniger oder unattraktive(re) Benefits (37 %)
  2. Zu schlechte Gehaltsangebote (33 %)
  3. Weniger ausgeschriebene Stellen, so die subjektive Wahrnehmung von 31 % der Befragten
  4. Jüngere Bewerber als starke Konkurrenz: Digital Natives haben in bestimmten Bereichen die Nase vorn (31 %)
  5. Unklare Anforderungen an Bewerber: Knapp jeder Dritte (30 %) hat Schwierigkeiten, abzuschätzen, welche Anforderungen tatsächlich erfüllt werden müssen bzw. ob er für eine Position infrage kommt 
  6. Längere Bewerbungsprozesse (29 %)
  7. Veränderte Anforderungen: Jeder Vierte (25 %) hat festgestellt, dass sich die erforderlichen Qualifikationen für den eigenen Beruf in den vergangenen fünf Jahren verändert haben.

Digitalisierung: Neue Berufe, neue Anforderungen

Einige der genannten Gründe deuten es schon an: Die Digitalisierung ist nicht ganz unschuldig daran, dass es schwieriger geworden ist, einen passenden Job zu finden. 

Zwar sind bislang nicht – wie noch vor einigen Jahren befürchtet – reihenweise Arbeitsplätze gestrichen und durch künstliche Intelligenz ersetzt worden. Doch die digitale Transformation hat definitiv dafür gesorgt, dass sich bestehende Berufsbilder geändert haben.

So kommen zum Beispiel Buchhalter, die sich früher klassischerweise durch Berge von Abrechnungsunterlagen kämpfen mussten, heute nicht mehr ohne digitale Skills aus. Wer sich den neuen Gegebenheiten nicht anpasst, findet tatsächlich keinen passenden Job mehr.

Außerdem hat die Digitalisierung für viele neue Berufe gesorgt, die es so vor einigen Jahren noch nicht gab. Das ist eigentlich gut. Schließlich bedeutet das ganz neue Karriereoptionen für Arbeitnehmer. Die Kehrseite der Medaille: Oft sind bei diesen neuen Positionen die Anforderungen selbst den Unternehmen, die sie ausschreiben, noch nicht hundertprozentig klar

Und selbst wenn sie es sind, können sich die Anforderungen in Zeiten des digitalen Wandels innerhalb kurzer Zeit wieder ändern. Vor diesem Hintergrund überrascht es wenig, dass so viele Jobsuchende darüber klagen, nicht richtig abschätzen zu können, ob eine Position für sie infrage kommt oder nicht.

Was Sie tun können, damit es mit dem Jobwechsel klappt

Wieso finde ich keinen Job? Diese Frage kann ganz schön am eigenen Ego zehren – obwohl Sie jetzt wissen, dass die Jobsuche sogar in Zeiten des Fachkräftemangels kein Selbstläufer ist. Auch wenn es schwer fällt: Bleiben Sie motiviert und stecken Sie den Kopf nicht in den Sand. Möglicherweise ist die Lage weniger verzwickt als Sie denken und sie schaut mit ein paar Kniffen schon ganz anders aus. 

  • Machen Sie sich Gedanken darüber, was Ihnen bei einem Jobwechsel wirklich wichtig ist. Können Sie zum Beispiel finanzielle Abstriche verschmerzen, wenn Sie in der neuen Position viel Neues lernen und so Ihre Qualifikationen ausbauen können?
     
  • Haben Sie nicht zu viel Respekt vor Stellenausschreibungen und lernen Sie, sie richtig zu interpretieren. Machen Sie sich bewusst, dass die Anforderungsprofile in Stellenanzeigen quasi eine Art Wunschzettel des Unternehmens sind: Hier wird oft einfach alles aufgelistet, was man meint, irgendwie und irgendwann gebrauchen zu können. Und wie schon beschrieben, ist Unternehmen bei neuen Positionen oft selbst kaum bewusst, welche Qualifikationen der neue Mitarbeiter mitbringen muss. Lassen Sie sich von ellenlangen Anforderungsprofilen also nicht ins Bockshorn jagen. Wichtig ist, dass Sie die zuerst genannten Fähigkeiten mitbringen, das sind die Must-haves für die Stelle.
     
  • Bilden Sie sich weiter! Grundsätzlich ist es immer eine gute Idee, sich beruflich fortzubilden. In Zeiten großer Umbrüche, wie wir sie derzeit erleben, ist es fast schon Pflicht. Bei allem, was neue digitale Entwicklungen in Ihrem Bereich betrifft, sollten Sie auf dem Laufenden bleiben.

 

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Bildquelle: © punttim/ Unsplash.com

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