Keine Zauberei! Schwächen im Bewerbungsgespräch in Stärken verwandeln

Von Christina Holl 26. Februar 2020

Kommen im Bewerbungsgespräch die Schwächen auf den Tisch, sind überzeugende Antworten Gold wert. Seien Sie also gut vorbereitet, denn mit der richtigen Reaktion können Sie echte Charakterstärke zeigen. Wie Sie Ihre Schwächen strategisch geschickt mit Ihren Fähigkeiten kombinieren, lesen Sie hier.

Hier lesen Sie:

Persönlichkeitscheck im Vorstellungsgespräch: Das steckt hinter der Frage

Es gibt beliebte und weniger beliebte Bewerbungsfragen. Wird nach den eigenen Stärken gefragt, freuen sich viele Bewerber über die Bühne zur Selbstpräsentation. Geht es dann um die Schwächen, wendet sich das Blatt. Wohl kaum eine Frage ist unbeliebter. Wenig verwunderlich, dass sie mittlerweile nur noch selten direkt gestellt wird. Doch seien sich sicher, in irgendeiner Form wird sie ein geschulter Personaler dazu bringen, im Vorstellungsgespräch Schwächen zu nennen. 

Und das hat einen Grund: Mit der Frage nach Ihren Schwächen findet er heraus, ob Sie für die ausgeschriebene Position der richtige Kandidat sind. Denn Ihre Antwort gibt neben Ihren fachlichen Fähigkeiten Aufschluss über Ihr persönliches Profil.

Viele Bewerber machen den Fehler und antworten mit Floskeln. Oder sie verkaufen eigentliche Stärken als vermeintlich positive Schwächen. Vermeiden Sie diesen Fauxpas im Bewerbungsgespräch und bleiben Sie ehrlich. Versuchen Sie nicht, sich als unfehlbar zu verkaufen. Das wirkt unglaubwürdig. Jeder Mensch hat Schwächen – das wissen auch Personaler.

Antworten, die in diese Richtung gehen, sind deshalb tabu:

  • „Ich bin ein Perfektionist.“
  • „Ich arbeite zu hart.“
  • „Ich bin sehr ungeduldig."
  • „Ich bin zu detailverliebt."

Solche Sätze haben Personaler so häufig gehört und als Floskel enttarnt, dass Sie damit sicher nicht punkten. 

Grundlage für gute Antworten: Tipps für Ihre Stärken-Schwächen-Analyse

Damit Sie im Vorstellungsgespräch nicht in die Floskel-Falle tappen, bereiten Sie sich gut vor. Eine Stärken-Schwächen-Analyse im Vorfeld hilft Ihnen dabei, das eigene Potential genau zu bestimmen.

Stärken bestimmen: Ihre persönlichen Stärken bestimmen Sie zum Beispiel optimal mit dem sogenannten DISG-Persönlichkeitstest, den Sie kostenlos im Netz machen können. Er basiert auf den vier Grundtypen der Persönlichkeit: „Dominanz“, „Initiative“, „Stetigkeit“ und „Gewissenhaftigkeit“. Ihnen werden dabei entsprechende Eigenschaften zugeschrieben.

Der Vorteil daran: Die Stärken passen zueinander und geben ein rundes, in sich stimmiges Gesamtprofil ab.

Schwächen herausarbeiten: „Was sind meine Schwächen?“ Diese für das Vorstellungsgespräch zu identifizieren, ist nicht ganz leicht. Starten Sie damit, alles zu notieren, was Ihnen zu sich selbst einfällt. Dazu gehören auch Dinge, die Ihr Chef oder Ihre Kollegen über Sie sagen. Orientieren Sie sich dabei an folgenden Fragen:

  • Mit welchen Teilen meiner Arbeit bin ich unzufrieden?
  • Wofür wurde ich von meinen bisherigen Vorgesetzten kritisiert?
  • Welche Arbeiten fallen mir besonders schwer?
  • Gibt es Tätigkeiten, die ich regelmäßig aufschiebe? Was ist der Grund dafür?
  • Wie läuft die Zusammenarbeit mit meinem Vorgesetzten und Kollegen?

Analysieren Sie Ihre Antworten und filtern Sie: Gute Schwächen für ein Vorstellungsgespräch sind solche, die einen Bezug zur ausgeschriebenen Stelle haben. Obwohl Sie gerade die am liebsten unter den Tisch fallen lassen würden, sollten Sie sich mit genau diesen Defiziten näher beschäftigen. Damit beweisen Sie, dass Sie sich ernsthaft mit der Position auseinandergesetzt haben.

Charakterstärke zeigen mit Schwächen: Nicht ohne “aber”

Wenn Sie im Vorstellungsgespräch nun nach Ihrer größten Schwäche gefragt werden, können Sie diese ehrlich und selbstkritisch benennen. Wichtig dabei: Gehen Sie direkt im Anschluss darauf ein, was Sie dagegen unternehmen und wie Sie Ihr „Manko“ ausgleichen.

Überlegen Sie sich eine ehrliche und sinnvolle Antwort, die mit der Schwäche beginnt und mit einem „aber“ die Stärke gleich mitliefert. So signalisieren Sie Ihrem Gesprächspartner, dass Sie aufrichtig sind, sich selbst gut einschätzen und stetig weiterentwickeln möchten.

Beispiele für gute Antworten auf die Frage nach den eigenen Schwächen

Welche Schwäche Sie im Vorstellungsgespräch nennen sollten, hängt also entscheidend von Ihrer Persönlichkeit ab. Nachfolgend finden Sie einige Beispiele für gute Antworten auf die Frage nach den Schwächen. Sie können einen guten Anhaltspunkt liefern, um eigene positive Schwächen auszuformulieren. Sie sollten die Antworten aber auf keinen Fall eins zu eins übernehmen, wenn sie nicht hundertprozentig auf Sie zutreffen.

Gute Antworten auf die Frage nach den Schwächen im Bewerbungsgespräch:

  • „Ich kann schlecht ‚Nein’ sagen und anderen etwas abschlagen. (ABER) Bei Angelegenheiten, die die Firma betreffen, habe ich gelernt, hart zu bleiben, denn das betrifft ja nicht nur mich.“ 
  • „Ich halte mich ungern an Vorgaben. (ABER) Dafür kommen mir dann vollkommen neue Ideen und kreative Lösungen.“
  • „Ich bin regional unflexibel. (ABER) Dafür bin ich lokal hervorragend vernetzt und kenne meine Region ausgezeichnet.“
  • „Ich kann gelegentlich ein Dickkopf sein. (ABER) Das verleiht mir allerdings auch die Fähigkeit, einer Sache beharrlich nachzugehen.“
  • „Ich bin manchmal nahe am Wasser gebaut. (ABER) Daher verfüge ich über das Fingerspitzengefühl, mit sensiblen Menschen gut umzugehen.“
  • „Vor Vorträgen bin ich immer ziemlich nervös. (ABER) Ich bereite mich daher immer sehr gut vor, denn so bekomme ich die notwendige Sicherheit. Zudem übe ich mit Kollegen im Vier-Augen-Gespräch.“
  • „Beim Schreiben von E-Mails brauche ich oft länger, um die passenden Worte zu finden. (ABER) Im persönlichen Kontakt kann ich mich dafür auf den Punkt ausdrücken. Das hinterlässt einen guten Eindruck bei Kunden.“

Konzentrieren Sie sich im Bewerbungsgespräch auf Ihre Stärken

Beherzigen Sie in jedem Bewerbungsgespräch diese Strategie: Beantworten Sie alle Fragen ehrlich, auch die nach Ihrer größten Schwäche. Aber walzen Sie das Thema nicht unnötig aus. Kein Personaler erwartet, dass Sie ewig auf Ihren Defiziten herumreiten. Halten Sie sich dabei knapp und konzentrieren Sie sich lieber darauf, Ihre Stärken in Szene zu setzen.

Trotzdem ist das Bewerbungsgespräch keine Einbahnstraße, in der nur Sie abgeklopft werden. Es geht auch darum, ob Sie in dem Job glücklich werden. Stellen Sie deshalb selbst auch Rückfragen an den Personaler. Das hilft Ihnen dabei abzuwägen, ob Sie ein Angebot annehmen oder lieber nicht.

Sie sind noch auf Jobsuche? Stöbern Sie doch gleich in unserer täglich aktualisierten Stellenbörse!

Und wenn Sie immer auf dem neuesten Stand bleiben möchten, dann abonnieren Sie unseren Newsletter.

Newsletter abonnieren

 

Bildquelle: © Samuel Zeller - Unsplash.com

Das könnte Sie auch interessieren