So klappt der Umgang auch mit schwierigen Chefs

Von Christina Holl on 3. Januar 2020

Aufbrausend, kontrollierend, unzuverlässig – oder womöglich sogar alles zugleich: Ein Vorgesetzter, der sich unprofessionell verhält, kann einem den Spaß an der Arbeit ordentlich vermiesen. Zum Glück gibt es bewährte Strategien für den Umgang mit schwierigen Chefs. Wir verraten Ihnen, welche:

In einer Umfrage von Robert Half landete „mangelnde Wertschätzung durch den Chef“ auf Platz zwei der Gründe, die einen Mitarbeiter im Job unglücklich machen. Schlimmer ist demnach nur noch schlechte Stimmung am Arbeitsplatz – für die in vielen Fällen ebenfalls schwierige Chefs verantwortlich sind. Doch was können Sie tun, wenn Ihr Vorgesetzter eine schwierige Persönlichkeit hat?

Angst vorm Chef überwinden 

Klar: Jeder hat es am liebsten, wenn der Vorgesetzte voll und ganz hinter einem steht. Die Realität sieht in manchen Unternehmen aber anders aus, und die Chef-Mitarbeiter-Beziehung gleicht eher einem Minenfeld.

Auch wenn es gerade in dieser Position wichtig ist: nicht jede Führungskraft ist mit übermäßiger emotionaler Intelligenz gesegnet. Manche Vorgesetzte verbreiten gar Angst und Schrecken in ihren Teams. Doch die Furcht vorm Chef lässt sich überwinden, wenn Sie wissen, wie Sie ihm und seinem Verhalten am besten begegnen. 

Um den richtigen Umgang mit einem schwierigen Chef zu finden, müssen Sie zunächst genau beobachten, in welchen Situationen die Konflikte im Job entstehen. Weil bestimmte Verhaltensweisen bei Ihrem Vorgesetzten in der Regel direkte Reaktionen bei Ihnen auslösen, ist es wichtig, dass Sie kurzfristige Gegenstrategien für den Umgang mit dem schwierigen Vorgesetzten entwickeln.

Um das zu können, brauchen Sie eine Antwort auf die Frage: Was ist Ihr Chef für ein Typ?

Cholerischer Chef – was tun?

Wenn mancher Chef einen schlechten Tag hat, meiden die Angestellten die Nähe seines Büros. Denn sein Zorn kann jeden Mitarbeiter treffen – egal, ob die Person etwas mit dem Kernproblem zu tun hat oder nicht. Cholerische Anfälle sind ein unfaires Verhalten, das nur sehr souveräne Mitarbeiter kalt lässt.

Das können Sie tun: Sie kennen sicher das Sprichwort „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“. Lassen Sie sich davon im Job nicht leiten. Wenn der Chef schreit, müssen Sie der Ruhepol sein. Brüllen Sie nicht zurück. Atmen Sie tief durch und sparen Sie sich Ihr Feedback für ein ruhiges Gespräch auf.

Auf den Vorgesetzten ist kein Verlass

Verhält sich Ihr Chef manchmal wie ein Fähnchen im Wind? Gestern verkündete er noch mit breiter Brust eine Information, heute will er davon nichts mehr wissen?

So lässt sich auf Dauer nicht gut arbeiten.

Das können Sie tun: Stellen Sie Ihren Chef auf keinen Fall bloß, vor allem nicht, wenn Sie sich in einem Meeting mit anderen Mitarbeitern befinden. Aber lernen Sie daraus für die Zukunft: Lassen Sie sich wichtige Anordnungen im Job schriftlich geben. Oder fassen Sie nach dem Meeting das Gespräch zusammen und fragen Sie nach, ob Sie alles richtig verstanden haben.

„Mein Chef redet schlecht über mich“

Kritik ist wichtig, damit wir uns verbessern. Aber muss Ihr Vorgesetzter deshalb Ihre Fehler vor den Kollegen breittreten? Natürlich nicht.

Das können Sie tun: Schlucken Sie Ihren Ärger hinunter. So schwer das auch fällt. Es ist eine gute Grundregel für den Umgang mit einem schwierigen Chef. Fangen Sie nicht an, über Details zu diskutieren. Bedanken Sie sich für das Feedback, und sagen Sie ihm, dass sie darüber gern zu einem anderen Zeitpunkt und in einem anderen Umfeld mit ihm sprechen würden. Tun Sie das dann auch! Bringen Sie Ihren Unmut ruhig hervor und erklären Sie, was Sie verletzt hat und was Sie sich für die Zukunft wünschen.

Wenn der Boss ein Kontrollfreak ist

Die freundliche Formulierung für einen Kontrollfreak als Chef ist Mikromanager. Die Symptome sind allerdings dieselben:

  • Ihr Vorgesetzter kann keine Aufgabe vollständig aus der Hand geben,
  • er hat seine Finger in jedem Projekt
  • oder blickt Ihnen ständig über die Schulter.

Welcher Mitarbeiter arbeitet schon besser, wenn er das Gefühl hat, permanent beobachtet zu werden?

Das können Sie tun: Seien Sie Ihrem Chef einen Schritt voraus. Geben Sie ihm von sich aus regelmäßige Updates. Dann werden Sie zumindest nicht bei der Arbeit unterbrochen und der Umgang mit dem schwierigen Chef wird leichter.

Langfristige Strategien für den Umgang mit schwierigen Chefs

Den Umgang mit schwierigen Vorgesetzten werden Sie nicht von heute auf morgen meistern. Stellen Sie sich besser auf einen längeren Prozess ein. Hier einige Tipps, wie Sie Ihr Verhältnis zum Vorgesetzten vielleicht verbessern können:

  1. Zeigen Sie Verständnis
    Versuchen Sie es mit Verständnis. Spannungen entstehen oft, weil Ihr Chef Stress ausgesetzt ist. Wenn Sie diesen Eindruck haben, können Sie von sich aus Hilfe anbieten: “Ich sehe, dass Sie viel um die Ohren haben. Kann ich Sie in irgendeiner Form unterstützen?“ Das nimmt ihm in vielen Situationen den Wind aus den Segeln.
     
  2. Nehmen Sie Rücksicht auf seine Macken
    Jeder Chef hat Dinge, auf die er allergisch reagiert. Wenn Sie ihn gut beobachten, werden Sie ein Muster erkennen – und können kritische Situationen mit etwas Planung verhindern. Legt Ihr Vorgesetzter besonders viel Wert auf Ordnung, räumen Sie Ihren Schreibtisch auf, bevor Sie das Büro verlassen. Ist er ein Mikromanager, sollten Sie alle Berichte pünktlich abliefern, oder noch besser: etwas zu früh.
     
  3. Nehmen Sie sein Verhalten nicht persönlich
    Lassen Sie Ihre Gefühle zu Hause. Das ist einfacher gesagt als getan und erfordert für viele Mitarbeiter eine Menge Übung. Aber Sie werden den Umgang mit einem schwierigen Chef am schnellsten meistern, wenn Sie sein Verhalten nicht persönlich nehmen. Womöglich steht er selbst unter starkem Druck und muss den (zugegeben ungerechtfertigterweise) bei Ihnen und den Kollegen ablassen.
     
  4. Kehren Sie vor der eigenen Tür
    Inwieweit sind Sie selbst für schwierige Situationen im Job verantwortlich? Gibt es ein bestimmtes Verhalten, das immer wieder die gleiche (unangemessene) Reaktion bei Ihrem Chef hervorruft? Stellen Sie sicher, dass Sie als Mitarbeiter Ihren Anteil an einem harmonischen Verhältnis leisten.
     
  5. Suchen Sie das Gespräch
    Bringen Ihre Bemühungen keine Besserung, dann ist ein klärendes Gespräch unumgänglich. Vereinbaren Sie einen Termin mit ihm und sagen Sie ihm offen, was Sie stört. Bleiben Sie im Gespräch höflich, aber seien Sie ehrlich. Er soll den Ernst der Lage erkennen.

Ändert sich nichts – sagen Sie Adieu

Eine von gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung geprägte Chef-Mitarbeiter-Beziehung ist wichtig für eine positive Arbeitsatmosphäre. Falls Sie mit dem Verhalten Ihres Vorgesetzten trotz aller Bemühungen nicht zurechtkommen, ist das ein legitimer Grund für einen Jobwechsel.

Sagen Sie Adieu – und nutzen Sie die günstige Arbeitsmarktlage, um sich nach einem anderen Job umzusehen:

 

Bildquelle: © Gem & Lauris RK - Unsplash.com

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