Was tun, wenn die Gehaltserhöhung nicht der Forderung entspricht?

Von Christina Holl on 11. Dezember 2019

Sie kommen aus dem Gespräch mit Ihrem Chef – und sind unzufrieden: Zwar gab es endlich eine Gehaltsanpassung – doch das Plus liegt deutlich unter dem, was Sie gefordert hatten. Was nun? Trotzdem annehmen, ablehnen oder nachfordern? Wir verraten, wie Sie am besten reagieren. So viel vorweg: Um trotzdem zu bekommen, was Sie möchten, brauchen Sie jetzt Geduld und Fingerspitzengefühl. 

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Gehaltserhöhung zu niedrig? Prüfen Sie, ob Ihre Vorstellungen realistisch waren

Sie haben all Ihren Mut zusammengenommen und nach einer Gehaltserhöhung gefragt. Ihre Nervosität hatten Sie während des Gesprächs gut im Griff und Sie haben die Killerphrasen Ihres Chef gekonnt pariert. Wie viel Prozent dabei üblich sind wussten Sie – und haben sich mit Ihrer Forderung innerhalb dieses Rahmens von drei bis zehn Prozent bewegt. Und trotzdem fällt die Gehaltsanpassung, die Ihnen nach diesem Gespräch angeboten wird, geringer aus als Sie erwartet hatten.

Woran hat es bloß gelegen? 
 

Das Problem: Es gibt keine gesetzliche Regelung bezüglich Gehaltserhöhungen – weder zu ihrer Höhe noch der Häufigkeit. Der Gesetzgeber sieht nur die Zahlung eines “angemessenen Entgelts” vor. Ein Objektives “zu niedrig” gibt es beim Thema Gehaltserhöhung also nicht – sofern Sie nicht zum Beispiel im Öffentlichen Dienst arbeiten oder nach einem Kollektivvertrag bezahlt werden, sondern in einer Branche tätig sind, in der Gehälter frei verhandelt werden.

Sind Sie dort unzufrieden mit Ihrem Einkommen, dann liegt das am Missverhältnis zwischen den eigenen Erwartungen und dem Wert, den das Unternehmen Ihrer Arbeitskraft beimisst. Nehmen Sie das Ergebnis der Gehaltsverhandlung daher nicht persönlich. Vermutlich hat Ihr Vorgesetzter die Entscheidung für die Gehaltsanpassung um die Prozentzahl X mit objektiven Fakten begründet. Vielleicht haben Sie das obere Ende der Gehaltsspanne bereits erreicht, die in Ihrem Unternehmen für Ihre Tätigkeit üblich ist?

Überprüfen können Sie das zum Beispiel, wenn es dazu eine (anonymisierte) unternehmensinterne Übersicht gibt oder schauen Sie sich die Gehaltsangaben in Stellenanzeigen an. Welche Gehälter in Ihrer Branche anderswo bezahlt werden und an welcher Stelle der Skala Sie stehen, verrät Ihnen die Gehaltsübersicht von Robert Half.

Annehmen oder ablehnen? So verscherzen Sie es sich nicht mit dem Arbeitgeber

In der konkreten Gesprächssituation geht es aber erst einmal um die Frage: Wie reagieren Sie auf das Ihrer Meinung nach unzureichende Angebot? Annehmen oder ablehnen? Oder besteht sogar noch die Möglichkeit einer Nachverhandlung?

Die Antwort: Im ersten Schritt bleibt Ihnen nicht viel mehr übrig, als die Gehaltserhöhung in der angebotenen Form zu akzeptieren. Die Alternative wäre, dass Sie leer ausgehen und Ihr Gehalt sich in den nächsten paar Monaten auf keinen Fall erhöhen wird. Denn der Arbeitgeber ist Ihnen so weit entgegengekommen, wie er es in diesem Moment kann – oder möchte. Er hat seinen Standpunkt deutlich gemacht und wird auch nicht davon abrücken, wenn Sie insistieren.

Auf keinen Fall sollten Sie die Gehaltserhöhung rundheraus ablehnen und dabei schlimmstenfalls noch offen empört reagieren. Das wirkt unhöflich und würde Ihr Verhältnis zum Arbeitgeber stark belasten. Denn schließlich ist dieser nicht dazu verpflichtet, Ihr Gehalt zu erhöhen. 

Die Bitte um eine Nachverhandlung unter den derzeitigen Voraussetzungen – etwa gleich am nächsten Tag oder in der nächsten Woche – sollten Sie sich ebenfalls verkneifen. Ist die Gehaltsverhandlung einmal vorbei, dann ist sie vorbei. 
Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie sich jetzt kleinlaut und für immer mit einer weiteren Aufstockung abfinden müssen. Akzeptieren Sie sie für den Moment, aber bitten Sie um einen Ausblick

  • Was müssen Sie leisten, welche Aufgaben oder Qualifikationen müssten dazukommen, um eine Ihrer Meinung nach angemessene Gehaltserhöhung zu rechtfertigen?
  • In welchem Zeitraum können Sie das realisieren?
  • Wann unterhalten Sie sich daran anschließend erneut über Ihr Gehalt?

Benefits statt mehr Geld? Basteln Sie an Ihrer Strategie für die nächste Gehaltsverhandlung

Konzentrieren Sie sich vor diesem Hintergrund darauf, in den kommenden Monaten Leistung zu zeigen und Argumente für die nächste Runde zu sammeln. 

Dazu gehört auch, dass Sie sich überlegen, was Sie außer “mehr Geld” weiterbringen würde. Hier kommt das Thema Benefits ins Spiel. Ein Tag mehr Urlaub, flexiblere Arbeitszeiten oder die Möglichkeit, im Home-Office zu arbeiten – vielleicht lässt sich Ihr Arbeitgeber auf eine solche Alternative zur Gehaltserhöhung ein. 

Durch einige Zusatzleistungen können Sie sogar Geld sparen. Sie wirken dann wie eine indirekte Gehaltserhöhung. Dazu gehören beispielsweise:

  • Zuschuss zu den Fahrtkosten oder zum Jobticket
  • betriebliche Altersvorsorge
  • betriebliche Gesundheitsförderung

Neuer Job, neue Chance: Verkaufen Sie sich nicht dauerhaft unter Wert

Trotzdem sollten Sie immer Ihren Marktwert im Blick behalten und sich langfristig daran orientieren. Sind Sie mit dem Gehaltsniveau bei Ihrem Arbeitgeber dauerhaft unzufrieden, ist es womöglich an der Zeit zu schauen, was der Arbeitsmarkt sonst noch so zu bieten hat.

Klar, einfacher ist es natürlich, im alten Job zu bleiben. Und vielleicht rechnet Ihr Arbeitgeber damit, dass Sie aus Loyalität oder einfach nur aus Bequemlichkeit bei ihm bleiben und vergleichsweise geringe Gehaltssprünge akzeptieren. Der Blick über den Tellerrand kann sich lohnen, denn in vielen Branchen sind bekanntlich Fachkräfte heiß begehrt. Passieren kann Ihnen nicht viel – schließlich haben Sie ja einen Job. 

Also: Ärgern Sie sich über mangelnde finanzielle Wertschätzung und ist auch keine Besserung in Sicht, dann wagen Sie den Schritt aus der Komfortzone und bewerben Sie sich auf andere attraktive Jobs – oder lassen Sie uns das passende Jobangebot für Sie finden:

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Wie viel sollte ich verdienen – oder bezahlen?

Sind Sie auf der Suche nach Personal oder nach einem neuen Job? In beiden Fällen sollten Sie über die marktüblichen Gehälter informiert sein. Mit unserer Gehaltsübersicht prüfen Sie, wie attraktiv Ihr Gehaltspaket für Mitarbeiter und Bewerber ist oder vergleichen Ihr eigenes Gehalt mit dem Ihrer Kollegen.

Als Arbeitgeber stehen Sie aufgrund des technologischen Wandels, dem Fachkräftemangel und geopolitische Veränderungen vor neuen Herausforderungen. In dieser Zeit des kontinuierlichen Wandels müssen Sie sich stets anpassen. Diese Gehaltsübersicht soll Ihnen ein wertvoller Impulsgeber sein, um Lösungen für diese Herausforderung zu finden und für Fach- und Führungskräfte weiter als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. Profitieren Sie jetzt von den exklusiven Einblicken aus mehreren Tausend erfolgreichen Vermittlungen.

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Bildquelle: © Estée Janssens - Unsplash.com

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