Arbeiten nach der Pandemie: Bleibt der Trend zum Home-Office?

Vor Corona wünschten sich viele Arbeitnehmer flexiblere Arbeitsweisen. Jetzt steht in den Firmen so langsam die Rückkehr in die Büros an. Ist dies ein Zurück zum „Business as usual“?

Vorerst wollen viele zurück ins Büro, künftig aber die Wahl haben

Vor Corona wünschten sich viele Arbeitnehmer flexiblere Arbeitsweisen. Seit Beginn der Pandemie arbeitet ein Viertel der Österreicherinnen und Österreicher von zu Hause aus. Jetzt steht in den Firmen so langsam die Rückkehr in die Büros an. Ist dies ein Zurück zum „Business as usual“?

Derzeit werden die Maßnahmen zum Social Distancing allmählich gelockert und Angestellte können teilweise in ihr Büro zurückkehren. Das dürfte im Sinne vieler Arbeitnehmer sein, die nach langen Wochen im Home-Office gerne ihre Kollegen wiedersehen möchten. Doch war es das jetzt schon mit der „neuen Normalität“ und digitalen Arbeitsweisen?

Fix ist: Corona wirkt sich auf künftige Arbeitsweisen aus

Die Frage nach der „neuen Normalität“ sei nicht so leicht zu beantworten, sagt Emine Yilmaz, Vice President Permanent Services bei Robert Half.

„Corona wird künftige Arbeitsweisen beeinflussen. Viele Unternehmen haben erkannt, dass Home-Office-Lösungen funktionieren. Und Arbeitnehmer haben festgestellt, dass ihre Produktivität daheim höher ist als im Büro.“ Manche Chefs haben bereits angekündigt, dem Wunsch nach Home-Office künftig offener gegenüber zu stehen. „Momentan ist zwar die Sehnsucht nach dem Büro groß. Viele Arbeitnehmer aber wollen künftig häufiger von daheim aus arbeiten“, so Yilmaz.

Neue Arbeitswelt: Mehr Flexibilität, mehr Selbstverantwortung

Hinter diesem zwiegespaltenen Wunsch verbergen sich vermutlich mehrere Gründe. Viele Arbeitnehmer sorgen sich aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise um ihren Arbeitsplatz oder fürchten zumindest aufgrund von Kurzarbeit finanzielle Engpässe. „Die Rückkehr ins Büro und in den Normalbetrieb vermittelt den Mitarbeitern mehr Sicherheit“, meint Yilmaz.

Andererseits haben viele Arbeitnehmer in den vergangenen Wochen aber die zeitliche Flexibilität und eine Zeitersparnis durch das Wegfallen des Arbeitsweges zu schätzen gelernt.

„Die Mehrheit der Arbeitnehmer konnte im Home-Office Job und Familie gut unter einen Hut bringen. Sie sehen, dass mit Home-Office-Lösungen ihre Bedürfnisse besser erfüllt werden können und ihnen mehr Vertrauen entgegengebracht wird“, erläutert Yilmaz. „Damit die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit sich nicht zu sehr auflösen, ist aber auch ein hohes Maß an Selbstdisziplin erforderlich.“

Arbeiten im Büro ist derzeit nicht so, wie es war

Wer lieber schnell an seinen Arbeitsplatz zurückkehren möchte und darauf hofft, dass alles wie vorher ist, wird enttäuscht sein: Unternehmen müssen zahlreiche zusätzliche Auflagen zum Arbeitsschutz erfüllen. Entsprechend sind Social Distancing und Hygiene- und Abstandsregeln zu beachten. Das heißt: In vielen Fällen können nicht alle Mitarbeiter gleichzeitig zurück ins Büro. Eine Lösung ist, dass in festen Teams gearbeitet wird. Wenn nicht genügend Abstand gehalten werden kann, fallen auch der sonst übliche Plausch an der Kaffeemaschine oder große Meeting-Runden aus. Dafür werden Kontaktprotokolle und regelmäßige Desinfektion noch eine Weile zum Alltag aller Angestellten gehören. 

Damit flexiblere Arbeitsweisen für Arbeitnehmer Sinn machen, sollten Unternehmen sich bereits jetzt Gedanken über mögliche Modelle machen.

„Standen viele Unternehmen Home-Office vor der Krise kritisch gegenüber, haben sie erkannt, dass es in den meisten Fällen gut funktioniert hat. Werden flexible Arbeitsformen künftig geplant realisiert, können alle noch besser davon profitieren. Die Krise birgt also die Chance, die Zukunft der Arbeit neu zu gestalten“, sagt Yilmaz.

Weitere Themen zum Arbeiten während der Corona-Pandemie finden Sie auf dem Robert-Half-Blog.