Österreich liegt beim Jobsharing vor Deutschland

15. Dezember 2014

Arbeitsmarktstudie 2014 von Robert Half: Teilzeitangebote und flexible Arbeitszeiten sind die am meisten angebotenen Arbeitsmodelle

Teilzeitarbeit und flexible Arbeitszeiten gehören bei der Mehrheit der österreichischen Unternehmen inzwischen zum Standard bei flexiblen Arbeitsmodellen: Mehr als zwei Drittel bieten ihren Mitarbeitern diese Optionen an. Weit weniger häufig wird in Österreich die Möglichkeit zum Jobsharing angeboten. Mit 22 % der Arbeitgeber, die das Teilen einer Stelle ermöglichen, liegen österreichische allerdings noch deutlich vor deutschen Firmen (15 %). Dies ist ein Ergebnis der Arbeitsmarktstudie, für die im Auftrag des spezialisierten Personaldienstleisters Robert Half 1.200 HR-Manager in Europa befragt wurden.

Im europäischen Durchschnitt gehört das Angebot zum Jobsharing bei 25 % der Unternehmen zu den möglichen Arbeitsmodellen. Spitzenreiter in Europa ist Großbritannien: Fast die Hälfte (48 %) der britischen Arbeitgeber gestatten ihren Mitarbeitern das Teilen einer Stelle als Option für flexibles Arbeiten.

Robert Half hat HR-Manager europaweit gefragt: Welche der folgenden Arbeitsmodelle bietet Ihr Unternehmen aktuell an?

 

Ø 
Europa

Österreich

Deutschland

Großbritannien

Schweiz

Frankreich

Belgien

Niederlande

Jobsharing

25 %

22 %

15 %

48 %

19 %

19 %

23 %

23 %

Teilzeit

71 %

68 %

76 %

73 %

70 %

63 %

68 %

78 %

Flexible Arbeitszeiten

54 %

67 %

70 %

50 %

56 %

43 %

48 %

55 %

Vaterschaftsurlaub

40 %

39 %

41 %

59 %

33 %

16 %

44 %

43 %

Home Office/Telearbeit

34 %

38 %

40 %

38 %

27 %

20 %

34 %

40 %

Quelle: Robert Half, Arbeitsmarktstudie 2014, Befragte: 1.200 HR-Manager; Mehrfachantworten möglich

 

Geschäftliche Anforderungen erschweren Jobsharing

Die Gründe, warum österreichische Unternehmen beim Jobsharing noch zurückhaltend sind, zeigt die Umfrage deutlich. Fast ein Drittel der HR-Manager, die Jobsharing ablehnen, ist der Meinung, dass dieses Arbeitsmodell ineffizient im Hinblick auf die geschäftlichen Anforderungen ist (29 %).

Nahezu ebenso viele glauben, dass die Aufgaben die Anwesenheit der Mitarbeiter erfordern (28 %) und das Management dieser Arbeitsform zu kompliziert ist (27%). Mehr als jeder Fünfte (22 %) befürchtet außerdem, dass die Zusammenarbeit im Team erschwert wird.

Robert Half hat die HR-Manager in Österreich, die kein Jobsharing anbieten, gefragt: Warum bietet Ihr Unternehmen kein Jobsharing an?

Ineffizient im Hinblick auf unsere geschäftlichen Anforderungen

29 %

Rolle(n) erfordern physische Präsenz

28 %

Management zu kompliziert

27 %

Unmöglichkeit der Zusammenarbeit im Team

22 %

Ressourcenmangel

15 %

Quelle: Robert Half, Arbeitsmarktstudie 2014, Befragte: 100 HR-Manager in Österreich

 

Jobsharing bindet Mitarbeiter

Unternehmen, die sich als moderne Arbeitgeber präsentieren möchten, sollten den Aufwand nicht scheuen und ihren Mitarbeitern auch für verantwortungsvolle Positionen das Arbeitsmodell Jobsharing anbieten. Mit dem Angebot, dass sich Mitarbeiter eine Stelle teilen, können Unternehmen qualifizierte Fachkräfte dauerhaft für sich gewinnen“, kommentiert Sven Hennige, Senior Managing Director Central Europe & The Netherlands bei Robert Half, die Ergebnisse.

Moderne Kommunikationsmittel und technische Möglichkeiten helfen dabei, die Zusammenarbeit effektiv zu gestalten und Jobsharing für alle Seiten noch attraktiver zu machen. Grundvoraussetzung ist allerdings, dass sich die ‚Jobsharer‘ auch persönlich sehr gut verstehen und sie effizient zusammenarbeiten.

So können Unternehmen von Jobsharing profitieren:

  • Wissensgewinn: Zwei Mitarbeiter füllen die Stelle mit ihren unterschiedlichen Stärken aus. Dadurch entstehen Synergieeffekte für einzelne Projekte und das Unternehmen.
  • Urlaubs- und Krankheitsvertretung ist geregelt: Die Aufgaben beider Mitarbeiter sind zwar klar voneinander getrennt, dennoch kennt jeder die Themen und Projekte des anderen und kann sie nahtlos bearbeiten.
  • Hohes Arbeitsaufkommen kann besser bewältigt werden: In den meisten Jobs gibt es besonders stressige Zeiten, in denen viele Deadlines eingehalten werden müssen. Beim Jobsharing können dabei die Stärken beider Mitarbeiter so eingesetzt werden, dass die Belastung nicht überhand nimmt.
  • Erhöhte Flexibilität: Handelt es sich zum Beispiel um eine Position, die in vielen Unternehmensprozessen gefragt ist, steht immer ein Ansprechpartner zur Verfügung.

Das sollten Unternehmen bei Jobsharing beachten:

  • Organisatorische Herausforderungen: Jobsharing erfordert viel Disziplin, besonders bei der Kommunikation – nicht nur von den betreffenden Mitarbeitern, sondern auch vom Unternehmen und von den Kollegen.
  • Abstimmung mit dem Sharing-Partner kann problematisch werden: Beide Mitarbeiter sollten menschlich gut miteinander auskommen und die gleiche Verantwortung übernehmen, um unnötige Diskussionen zu vermeiden.
  • Ständige Übergabe notwendig: Neben Disziplin und Organisationstalent sollten technische Tools, wie Excel-Listen oder ein gemeinsamer Kalender, eingesetzt werden, die die Einsicht in die Prozesse des jeweils anderen erleichtern.
  • Mehrkosten einkalkulieren: Für zwei Teilzeitstellen können Mehrkosten, z. B. durch höhere Sozialabgaben, anfallen. Jedoch zahlt sich das für den Arbeitgeber in der Regel aus, da eingearbeitete Mitarbeiter langfristig ans Unternehmen gebunden werden.