Für Personalmanager ist Zeitarbeit gleichwertig zur Festanstellung

20. April 2015

Temporäre Beschäftigung gewinnt an Bedeutung

Knapp die Hälfte (46 %) der österreichischen HR-Manager betrachtet Bewerber mit Zeitarbeitserfahrung als gleichwertig zu jenen, die sich aus einer Festanstellung heraus bewerben. Fast genauso viele (41 %) sehen in der Zeitarbeitserfahrung sogar einen Vorteil, besonders wenn damit Branchenkenntnisse oder zur Stellenausschreibung passende Kompetenzen erworben wurden (29 %). 12 % sind der Meinung, dass dies die Flexibilität eines Bewerbers zum Ausdruck bringe. Das sind die Ergebnisse der aktuellen Arbeitsmarktstudie von Robert Half, an der100 HR-Manager in Österreich teilgenommen haben.

Angaben zu Zeitarbeitseinsätzen im Lebenslauf haben laut der Studie bei der überwiegenden Mehrheit der österreichischen Unternehmen keine negativen Auswirkungen mehr im Recruiting-Prozess. Nur 8 % der HR-Verantwortlichen sehen temporäre Einsätze als Nachteil und vermuten, dass es dem Bewerber nicht gelingt, eine Festanstellung zu finden.

Der Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert“, erklärt Sven Hennige, Senior Managing Director Central Europe & The Netherlands bei Robert Half. Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise wurde Zeitarbeit von vielen Unternehmen aus Kosten- und Flexibilitätsgründen eingesetzt. Mittlerweile finden wir einen Arbeitnehmermarkt vor, gekennzeichnet durch eine niedrige Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel.

Viele Unternehmen nutzen temporär beschäftigte Experten nun, um Schlüsselpositionen bei einzelnen Projekten besetzen zu können. Dementsprechend hat sich das Ansehen der Zeitarbeit grundlegend geändert: Wir vermerken eine höhere Wertschätzung auf Seiten der Unternehmen und Bewerber. Für die Kandidaten wird Zeitarbeit mehr und mehr zu einer attraktiven Karriereoption.

Temporäre und Interim-Beschäftigte spielen künftig größere Rolle

Die positiven Reaktionen der Personalverantwortlichen gegenüber temporären Mitarbeitern zeigen sich auch beim Ausblick in die Zukunft. 80 % der HR-Manager denken, dass sich der traditionelle Arbeitsplatz dahingehend entwickeln wird, dass Zeitarbeiter und Interim-Beschäftigte neben Festangestellten eine größere Rolle in Unternehmen spielen werden.

Die Hauptgründe für diese Einschätzung sind die Kosteneffizienz aufgrund variabler Personalausgaben und der gestiegene Bedarf für mehr Ressourcenflexibilität (jeweils 28 %). Darüber hinaus führen die befragten HR-Manager den Zugriff auf zusätzliche Kompetenzen außerhalb des eigenen Unternehmens (24 %) sowie die Zunahme der Projektarbeit (11 %) an.

Robert Half hat HR-Manager gefragt: Was ist der Hauptgrund dafür, dass temporäre und Interim-Beschäftigte neben Festangestellten eine größere Rolle spielen werden?

  Total
Kosteneffizienz aufgrund variabler Personalausgaben 28 %
Gestiegener Bedarf für mehr Ressourcenflexibilität 28 %
Nutzen von Kompetenzen, die im Unternehmen nicht vorhanden sind 24 %
Zunahme an Projektarbeit 11 %

Quelle: Robert Half, Arbeitsmarktstudie 2014, Befragte: 100 HR-Manager.

Die Top 5 Mythen über Zeitarbeit

Mythos 1: Zeitarbeit betrifft nur Jobs, für die der Bewerber keine speziellen Fachkenntnisse benötigt
Die Bedeutung und das Ansehen von Zeitarbeit steigen aufgrund des Fachkräftemangels an – sowohl für Unternehmen, als auch für Bewerber. Entsprechend wird Zeitarbeit auch bei anspruchsvollen Positionen und Projekten immer wichtiger. Gefragt ist Zeitarbeit vom Sachbearbeiter Buchhaltung bis zum Controller, vom Helpdesk-Mitarbeiter bis zum Systemadministrator.

Mythos 2: Zeitarbeiter haben schlechtere Aussichten auf eine unbefristete Stelle
Wenn Unternehmen, Bewerber und die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens gut zueinander passen, kann Zeitarbeit den Sprung in eine unbefristete Stelle erleichtern. Dabei spricht man vom sogenannten „Klebeeffekt“. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) fand heraus, dass 14 % der Zeitarbeiter in die Stammbelegschaft übernommen werden. Andere Studien aus dem Personaldienstleistungsbereich ergaben für Deutschland sogar Werte von bis zu 44 %.

Mythos 3: Zeitarbeit ist ein unsicheres Arbeitsverhältnis
60% der Zeitarbeiter sind laut Bundesagentur für Arbeit auch zwölf Monate nach Beschäftigungsbeginn noch beschäftigt. Viele spezialisierte Zeitarbeitsfirmen bieten den Zeitarbeitskräften unbefristete Arbeitsverträge an – nur die Projekte unterliegen einer Befristung. Damit gelten für Zeitarbeitnehmer die gleichen Rechte und Pflichten wie für festangestellte Arbeitnehmer.

Mythos 4: Zeitarbeit macht sich negativ im Lebenslauf
Zeitarbeit hat sich in den vergangenen Jahren deutlich geändert. So spielen etwa vorübergehende und anspruchsvolle Projekte und Aufgaben eine größere Rolle. Dies erscheint aus Sicht von Personalern attraktiv, denn solche Projekte fördern die persönliche Entwicklung von Arbeitnehmern. Die Robert Half Arbeitsmarktstudie zeigt: 51 % der HR-Manager in Deutschland sehen Zeitarbeit und Festanstellungen als gleichwertig im Bewerbungsprozess an.

Mythos 5: Zeitarbeit verbessert nicht die fachlichen Fähigkeiten
Zeitarbeiter sind heute mehr als früher in verantwortungs- und anspruchsvolle Projekte involviert. Eine spezialisierte Personalberatung kann einen Kandidaten dabei wirkungsvoll unterstützen und seine Projekte auch nach seinen persönlichen Wünschen filtern. Dieses Mehr an Flexibilität zahlt sich positiv für die fachliche und persönliche Weiterentwicklung aus und ist ein wichtiger Grund für das bessere Image von Zeitarbeit.